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Yoga-Präventionskurse3. Okt. 2026

Warum ich mich freue, wenn mein Bauch beim Yoga gluckert

Silvia Kutsch

Silvia Kutsch in der Vorwärtsbeuge
Die Yogastunde hat gerade erst begonnen. Alle liegen auf der Matte, die Augen geschlossen, die Anfangsentspannung läuft. Es ist ganz still im Raum.
Und dann: ein Gluckern. Irgendwo grummelt ein Bauch.
Manche zucken kurz zusammen, manchen ist es peinlich. Ich lächle dann innerlich und sage meinen Teilnehmenden:
Freut euch darüber! Das ist eines der schönsten Geräusche, die es in einer Yogastunde gibt.
Warum? Weil dein Bauch dir gerade etwas sehr Wichtiges verrät. Und gerade wenn du in der Pflege oder Betreuung arbeitest, lohnt es sich, ihm zuzuhören.

Zwei Gegenspieler in deinem Nervensystem
In unserem Körper arbeiten zwei Gegenspieler: der Sympathikus und der Parasympathikus. Beide gehören zum vegetativen Nervensystem. Wir können sie nicht bewusst steuern.
Der Sympathikus ist unser Aktivierungsnerv. Er macht uns bereit zu handeln. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an, der Kopf wird hellwach. Genau das brauchst du im Dienst: wenn eine Bewohnerin stürzt, wenn das Telefon klingelt, während gleichzeitig die Medikamente gestellt werden müssen.
Der Parasympathikus ist unser Erholungsnerv. Er sorgt dafür, dass wir verdauen, regenerieren und auftanken. Und er schaltet die Verdauung wieder ein, die im Alarmmodus gedrosselt war.
Das Gluckern im Bauch ist deshalb oft ein hörbares Zeichen: Jetzt hat der Parasympathikus übernommen. Der Körper hat verstanden, dass keine Gefahr mehr droht.

Wenn der Sympathikus keinen Feierabend bekommt
Kurze Stressphasen sind kein Problem. Der Körper fährt hoch, reagiert und fährt danach wieder herunter.
Dieser Wechsel geschieht aber nicht auf Knopfdruck. Ein Dienstende auf dem Papier ist für deinen Körper kein Signal. Wenn deine Gedanken auf dem Heimweg noch beim Bewohner mit dem hohen Blutdruck sind und bei der Frage, ob du alles dokumentiert hast, bleibt der Sympathikus in Alarmbereitschaft. Der Körper hat die Einrichtung verlassen, der Kopf ist noch mittendrin.
Passiert das jeden Tag, bleibt das Nervensystem dauerhaft im Aktivierungsmodus. Und das wirkt nach, schleichend und oft unbemerkt:
  • Die Verdauung bleibt gedrosselt. Blähungen, ein empfindlicher Magen oder ein Bauch wie ein Knoten können die Folge sein.
  • Die Regeneration bleibt auf der Strecke. Du schläfst, aber du erholst dich nicht wirklich.
  • Die Selbstheilungskräfte werden gebremst. Infekte kommen häufiger oder ziehen sich länger.
  • Die Muskeln bleiben angespannt. Nacken, Schultern, Kiefer, unterer Rücken.
Auf Dauer kann dieser Stress krank machen und in die Erschöpfung führen. Das Tückische: Wir gewöhnen uns daran. Angespannt sein fühlt sich irgendwann normal an.
Ich merke das bei mir selbst. Wie angespannt ich noch war, spüre ich oft erst, wenn ich wirklich Yoga übe und eine Tiefenentspannung mache.
Klangschalen auf dem Boden
Wie Yoga dein Nervensystem Schritt für Schritt herunterfährt
Eine Yogastunde ist für mich geplante Regeneration. Nicht: Ich muss jetzt entspannen. Sondern ein Weg von der Aktivität in die Ruhe, in mehreren Etappen.
  • Die Anfangsentspannung. Du kommst an, legst dich hin, der Atem wird ruhiger. Oft gluckert hier schon der erste Bauch. Ein erstes Zeichen: Der Körper merkt, dass er jetzt nicht mehr reagieren muss.
  • Die Bewegung. Dann darfst du dich bewegen. Den Rücken durchbewegen, Spannung wahrnehmen, den Atem bewusster spüren. Bewegung nimmt die Energie auf, die der Sympathikus bereitgestellt hat, und lässt sie ablaufen. Manchmal beginnt Entspannung nicht mit Stillwerden, sondern mit Bewegung.
  • Die Zwischenentspannungen. Zwischen den Übungen hältst du kurz inne. Hier spürst du, wie Muskeln loslassen und wie das Nervensystem Spannung abgibt. Stück für Stück.
  • Die Tiefenentspannung. Am Ende kommt das Highlight und das Wichtigste der ganzen Stunde. Hier darf der Körper komplett herunterfahren. Der Parasympathikus übernimmt ganz. Verdauung, Regeneration und Selbstheilungskräfte bekommen endlich wieder ihren Raum.
Danach darf der Tag weitergehen. Als dein Tag, nicht als verlängerter Dienst.

Hör auf deinen Bauch
Wir, die in Pflege und Betreuung arbeiten, geben viel und tragen viel Verantwortung. Gerade deshalb brauchen wir Wege, wie unser Körper diese Verantwortung zwischendurch wieder ablegen kann. Nicht, damit wir noch besser funktionieren. Sondern damit wir wieder aus dem Funktionieren herausfinden.
Meine Teilnehmenden bekommen deshalb immer auch ein paar Tiefenentspannungen als Audio für zu Hause. Denn die Tiefenentspannung ist das, was den Körper wirklich herunterfahren lässt.
Wenn du das selbst ausprobieren möchtest: Ich habe eine geführte Entspannung von 10 Minuten für dich aufgenommen. Du bekommst sie kostenlos, wenn du dich für meinen Newsletter anmeldest. Leg dich nach deinem nächsten Dienst hin, setz die Kopfhörer auf und hör einfach zu.
Und wenn dein Bauch dabei anfängt zu gluckern: Freu dich darüber. Dann bist du angekommen.

Neugierig geworden?
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